Genau so, wie die Bundesbahn seit 1994 Geschichte ist, so ist auch die Handlung bei der Modellbundesbahn geschichtlich. Die Modellbundesbahn, das sind bewegende Momente. In den Hauptrollen: Schwarzen Gesellen im zweiwöchigen Eisenbahnalltag im Sommer `75

„Die schwarzen Gesellen fahren Volldampf!“ frohlockt Luis. Die bewundernden Blicke des kleinen Steppke fallen auf eine schnaufende fünffach gekoppelte Güterzugdampflok. Schwer keuchend kämpft sie sich die steile 10 Promille Rampe nach Bad Driburg hinauf.

Hinter einem Baum gehockt, in respektvoller Entfernung, genießt Luis das Spektakel. Mensch und Maschine wird diese Situation jetzt alles abverlangen, ohne Volldampf wird der über 1000 Tonnen schwere Güterzug liegen bleiben! Volldampf bedeutet insbesondere für den Heizer körperliche Schwerarbeit, die Dampflokbaureihe 44 fordert nun ständig nach Kohle, während der gefrässige Kessel pro Minute eine ganze Badewanne voll Wasser verdampft. Und Luis ist live dabei, mitten in einer wundervollen Mittelgebirgslandschaft. Er wird Teil dieses Geschehens, das er wohl nie mehr vergessen wird. Es ist der 16. August 1975. Ein gewöhnlicher Samstag, das Wetter heiter bis wolkig bei angenehmen 25 Grad. Vater wäscht im selben Moment sein Auto, während im Radio die Bundesliga Konferenz läuft. Es ist der zweite Spieltag, auf Schalke wird es gerade spannend. Königsblau spielt gegen die Zebras vom MSV Duisburg. Im Strafraum wird es brenzlig, und tatsächlich, ein Spieler ist in Gala Form. Klaus Fischer netzt in der 27. Spielminute zum 1:0 ein, Schiedsrichter Frickel aus München gibt den Treffer und Vater gleitet vor lauter Aufregung der Schwamm aus den Händen. Mutter ist nicht zu Haus, sie ist auf dem Weg zum Ottberger Bahnhof. In wenigen Minuten wird sich der Eilzug Oberhausen – Walkenried durch das Bahnhofsfeld zum Gleis 52 schlängeln, dort wird sie Onkel Rudi aus Dortmund abholen. Um 16:05 Uhr ist der Zug leicht verspätet da.

Onkel kann es kaum erwarten seine lieben Verwandten wieder zu sehen und winkt aufgeregt aus dem Abteilfenster. Abends werden alle gemeinsam den zünftigen Ottberger Bieranstich am ältesten Gebäude vor Ort besuchen, dem gefälligen Fachwerkhaus am Meierhof. Nur Luis, der liegt dann bereits im Bett und träumt vom nächsten Tag.

…wobei zunächst eine Nacht simuliert wird bevor die „schwarzen Gesellen“ ihren neuen Abenteuern auf einer Gleisanlage von rund 1000 Metern Länge entgegenfahren.

Die Modellbundesbahn beginnt jeden echten Tag am 16. August 1975. Der „echte Tag“ dauert sieben Stunden, in dieser Zeit wechseln in der momentan rund 100 Quadratmeter großen Miniaturwelt 14 mal Tag und Nacht. Es werden 216 Weichen und 83 Signale bewegt, deren Steuerungsinformationen 7 Kilometer verlegte Kabel durchlaufen. Einer der 4 Schattenbahnhöfe wird durch einen Loklift gesteuert. 1000de Glühbirnchen und LED sorgen für eine stimmungsvolle Beleuchtung und das Einwohnermeldeamt zählt aktuell ungefähr 6000 Bürgerinnen und Bürger, die in den vier Anlagenteilen Ottbergen, Bad Driburg, dem typischen Wesertal und dem typischen Weserbergland für Leben sorgen.